Kontraste

In dieser Rubrik "Kontraste" wollen wir auch heiße Eisen anfassen. Damit wollen wir Sie als Besucher auch darauf hinweisen, dass viele von uns, die sich in der Pfarrei engagieren, die katholischen Kirche durchaus kritisch begleiten und manchmal auch unter der Situation leiden:

Präimplantationsdiagnostik an Ungeborenen (Sommerpfarrbrief 2011)

zum Memorandum der katholischen Theologieprofessoren (Osterpfarrbrief 2011)

Wandel in der Kirche ... und sie wird sich bewegen müssen (zum Zölibat, Auszug aus dem Dezember-Pfarrbrief 2010)

Offene Wunden (zum Missbrauchsskandal, Auszug aus unserem Sommerpfarrbrief 2010)


Papst Franziskus: „Diese Wirtschaft tötet“

Papst FranziskusPapstschreiben "Evangelii Gaudium": Franziskus ruft zum Kampf gegen Armut auf und plädiert für eine Reform der Kirche "auf allen Ebenen". In dem 84 Seiten langen Dokument kritisiert der Papst die "Tyrannei des Marktes" und ruft die Kirche, aber auch die Mächtigen der Welt auf, gegen Armut und Ungleichheit zu kämpfen. Das herrschende ökonomische System sei "in der Wurzel ungerecht", betonte er. "Diese Wirtschaft tötet", so seine unmissverständliche Einschätzung. Es sei unglaublich, dass niemand sich darüber aufrege, wenn ein alter Mann auf der Straße erfriere, "während eine Baisse um zwei Punkte in der Börse Schlagzeilen macht". Das Rundschreiben im Wortlaut auf kath.net


Papst Franziskus: Politiker sollen sich für Flüchtlinge einsetzen

Foto von Papst FranzsikusSein Besuch der Mittelmeerinsel Lampedusa wird in der arabischen Welt als gutes Signal für die Beziehungen zwischen der katholischen Kirche und dem Islam angesehen. Der Papst gedachte auch der vielen tausend Opfer, die bei der Überfahrt ertrunken sind. Fast täglich treffen auf der Insel neue Boote mit Hunderten Flüchtlingen aus Nord- und Schwarzafrika ein.
Der Papst träumt von „einer armen Kirche"-
45 Katholiken sagen in ihrem "Armutszeugnis" einer Kirchenzeitung, was sie darunter verstehen. Sie möchten „eine Kirche, der der Magen knurrt“, „die vom hohen Ross herabsteigt“, die „repariert statt wegwirft“ und eine Kirche, „die den Geruch der Schafe“ annimmt.


Bevorstehende Heiligsprechung Papst Johannes Paul II. wird kritisiert

Papst Johannes Paul IIJohannes Pauls II. soll demnächst heilig gesprochen werden: Die beiden dafür erforderlichen Wunder sind jetzt gefunden: Eine Parkinson-Patientin soll aufgrund eines Gebets zum verstorbenen Papst vollständig genesen sein. Das Gebet und das unterstellte hilfreiche Eintreten des verstorbenen Papstes für die Betende als kausale Beweiskette für die Heilung? Das ist für den aufgeklärten Zeitgenossen eine Zumutung, so kritisiert Robert Leicht: Ist es nicht unbarmherzig, dass diese eine Patientin gerettet wurde, alle anderen ebenso innig betenden Parkinson-Kranken aber dem erschütternden Verlauf ihrer Krankheit hilflos überlassen bleiben? Und taugt ein Papst als "heiliges" Vorbild, der lt. Hans Küng in innerkirchlichen Angelegenheiten als "der zwiespältigste Papst des 20. Jahrhunderts die Menschenrechte von Frauen und Theologen unterdrückt" hat?


Gemeinde-Initiative lud am 15.06.2013 nach Schwabing ein

Logo GemeindeinitiativeDie erste überregionale Veranstaltung der Gemeinde-Initiative fand am 15.06.2013 in St. Ursula München-Schwabing statt. Wer regelmäßig informiert werden möchte, ist herzlich eingeladen sich in die Unterstützerliste einzutragen. Aus unserer Pfarrgemeinde arbeitet Wilhelm Genal in der Koordinatoren-Gruppe mit. 2012 wurde von der Gründung des Münchner-Kreises berichtet, einer Initiative von Priestern, die von Christoph Nobs und Albert Bauernfeind initiiert wurde und die aktuell auch von Seelsorge-Berufsgruppen mitgetragen wird. Nach der ersten öffentlichen Informationsveranstaltung am 30.10.2012 wurde klar, dass der Münchner-Kreis seine Aktivitäten, insbesondere aus Gründen der resultierenden Arbeitsbelastung, auf Priester und Seelsorge-Berufsgruppen beschränkt sehen möchte. Um dem mittlerweile stark angewachsenen Unterstützerkreis eine Plattform zu geben, wurde in einem offenen Unterstützertreffen am 07.02.2013 die Gemeindeinitiative gegründet.


Papst Franziskus beklagt mangelnde Umsetzung des Zweiten Vatikanums

Foto: II.Vatikanisches KonzilRom, 16.4.13 Papst Franziskus hat eine mangelnde Verwirklichung der Ideen des Zweiten Vatikanischen Konzils beklagt. Es sei bislang noch nicht alles getan worden, was der Heilige Geist im Konzil gesagt habe, sagte er am 16.03.2013 im Vatikan. Bestrebungen zu einer Rückkehr in die vorkonziliare Zeit erteilte Franziskus eine deutliche Absage. Es gebe Stimmen, die zurückgehen wollten, so Franziskus. Das bedeute "dickköpfig zu sein " und "törichte und lahme Herzen zu bekommen". Ein solches Unterfangen, zeuge von dem Willen, den Heiligen Geist zu zähmen. Quelle: Kath. Internationale Presseagentur


Nr 371: Neu im Neuen Gotteslob

GotteslobHerz Jesu, Gottes Opferbrand, der unsre Lieb entfachte!
O Herz, in Nacht zu uns gesandt, als Schuld den Tod uns brachte!
Wir stachen dich mit Spott und Wut, du tauftest uns mit deinem Blut.
Nun müssen wir dich lieben.

Ob das wirklich die Sprache unserer Zeit ist? Gotthard Fuchs hatte das Verfahren und die Maßstäbe für das neue Gotteslob in "Christ in der Gegenwart" kritisiert: "Das Gottesvolk hat keine Stimme: Kommissionen - oder sind es manchmal vielleicht sogar Hintermänner? - entscheiden."


Rückschau 25.02.2013: Mag. Helmut Schüller von der österreichischen Pfarrer-Initiative

Foto: Helmut Schüller Mit dem „Aufruf zum Ungehorsam“ hat die österreichische Pfarrerinitiative um Helmut Schüller national und international Aufsehen erregt. Mit ihrem Aufruf will die Pfarrer-Initiative dazu beitragen, dass die drängenden Probleme der Kirche offenherziger aufgegriffen werden. Sie fordert Grundrechte für die Gläubigen sowie neue Wege für die Gemeindeleitung, statt bei Strukturreformen stehen zu bleiben. Im voll besetzten Atrium des Vaterstettener Gymnasiums erklärte Helmut Schüller, was die Initiative wirklich will und wie sie tatsächlich etwas bewegen kann. Veranstalter war das KBW Ebersberg.


Erzbischof Müller: Christus wird im Weihesakrament als Bräutigam repräsentiert

Erzbischof MüllerErzbischof Gerhard Ludwig Müller, Leiter der Römischen Glaubenskongregation, verteidigt in "Die Welt" die Dogmatik der katholischen Kirche und spricht von Pogromstimmung gegenüber dem Christentum: "Dialogprozess ist gut. Aber man muss auch über das Wesentliche reden und nicht die gleichen Probleme immer wieder neu auftischen.Zum Beispiel die Forderung nach einem sakramentalen Weiheamt für die Frau. Es ist nicht möglich. Nicht weil die Frauen weniger wert wären, sondern weil es in der Natur des Weihesakramentes liegt, dass Christus in ihm repräsentiert wird als Bräutigam im Verhältnis zur Braut. Auch eine Akzeptanz gleichgeschlechtlicher Partnerschaften ist für die katholische Kirche nicht möglich. Solche Partnerschaften sind grundsätzlich in keiner Weise mit den Ehen gleichzustellen. Nächstes Beispiel: Der Zölibat der Priester entspricht dem Beispiel und Wort Jesu und hat in der geistlichen Erfahrung der lateinischen Kirche eine besondere Ausprägung gefunden. Es gibt kein Anzeichen, dass die Verantwortlichen in der Kirche daran rütteln würden, aus bestimmten falschen Vorstellungen heraus, als wäre es eine Naturnotwendigkeit, Sexualität zu praktizieren, innerhalb oder außerhalb einer Ehe". (Foto: dpa). Immerhin gibt es Anzeichen, dass die Katholiken daran rütteln werden. Wer dies äußert, riskiert allerdings viel: Weil der Sprecher und Gründer der Association of Catholic Priests (ACP) in Irland, Tony Flannery für die Möglichkeit des Frauenpriestertums eintrat, wurde ihm ein Maulkorb verhängt und mit der Exkommunikation gedroht, Flannery fühlt sich an die Inquisition erinnert.


Studienabbruch bringt starken Imageverlust für die Kirche

Foto einer Kirche im SturmVergangene Woche erklärte die Bischofskonferenz, dass sie nicht länger mit Prof. Pfeiffer zusammen an der Aufklärung des Missbrauchs arbeiten will. Der anschließende Streit hat dem Bild der Kirche empfindlich geschadet - das zeigt eine Forsa-Studie: Drei von vier Deutschen glauben, die Kirche wolle eine vollständige Aufklärung des sexuellen Missbrauchs verhindern. Jeder vierte zwischen 45 und 59 Jahren erwägt sogar einen Kirchenaustritt. Die Forsa-Umfrage wurde in der "Zeit"-Beilage «Christ & Welt» veröffentlicht und von Domradio zitiert.


Noch herrscht der Absolutismus

Logo der Montagsbrief-AktionAuszug aus der aktuellen Predigt an die Bischöfe (Aktion Montagsbriefe): "Das II. Vatikanische Konzil würdigt in großen Worten den Auftrag der Laien: (...) 'Christus … erfüllt bis zur vollen Kundmachung der Herrlichkeit sein prophetisches Amt nicht nur durch die Hierarchie, … sondern durch die Laien, die er daher sowohl als Zeugen einsetzt als auch mit einem Sinn für den Glauben wie mit der Gnade des Wortes ausrüstet.' (LG 35)1. In der kirchlichen Realität sieht es freilich anders aus: Wenn es um Schritte in der Ökumene geht oder um Fragen der Leitung in Kirche oder Gemeinde, sind ausschließlich Amtsträger (oder gar nur Rom) zuständig, die hinter verschlossenen Türen tagen und dann ein Orakel verkünden. Das letzte Interview von Kardinal Martini vor seinem Tod spricht nicht umsonst vom immer noch nicht überwundenen Zeitalter des Absolutismus in der Kirche." Lesen Sie hier weiter...


kreuz.net seit 02.12.2012 offline. Pfarrer als Mitautor enttarnt.

Logo Stoppt Kreuz.netDer Berliner Verlag, der unter stopptkreuznet.de dazu aufrief, die Hintermänner von kreuz.net dingfest zu machen, hatte jetzt Erfolg: Die Seite ist seit 03.12.2012 offline. Nach Auslobung eines "Kopfgeldes" gingen wertvolle Hinweise ein, die bereits zur Enttarnung eines Pfarrers des Bistums Mainz führten Mehrfach haben die "Salfisten unter den Katholiken" auf kreuz.net mit diskriminierenden, antisemitischen und rassistischen Texten für Empörung gesorgt. Kreuz.net bezeichnet sich als Initiative von hauptamtlichen, im kirchlichen Dienst tätigen Katholiken. Die Autoren bleiben anonym, die Seite ist im Ausland registriert. Der Verfassungsschutz sieht "die Grenzen zur Strafbarkeit überschritten". Auch die Deutsche Bischofskonferenz distanziert sich deutlich von kreuz.net und stellt klar: "Die Seite hat mit der katholischen Kirche in Deutschland nichts zu tun."


"Münchner Kreis" von aktuell 44 Pfarrern fordern mehr Dialog

die Gründer des Münchner KreisesZum 50. Jahrestag der Eröffnung des 2.Vatikanischen Konzils haben sich Pfarrer unserer Diözese zum "Münchner Kreis" zusammengetan. "Wir machen uns Sorgen um die Situation in unserer Kirche, insbesondere auch in der Erzdiözese", heißt es in einer Erklärung, die am 05.10.2012 veröffentlicht wurde. Die 61 pastoralen Empfehlungen aus dem Zukunftsforum "Dem Glauben Zukunft geben" müssten nun für die Praxis aufbereitet werden, wie der Bayerische Rundfunk und die Süddeutsche am 05.10.2012 berichtete. Unser Pfarrer i.R. Alois Brem gehört zu den Unterzeichnern, auch Sie können die Initiative unterstützen. Bei einem ersten Treffen des Kreises kamen 250 Unterstützer.


Konziliare Versammlung von Reformgruppen ruft zu Veränderungen auf

Logo der konziliaeren VersammlungKatholische Reformgruppen haben zu einer Erneuerung der Kirche im Geist des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962-1965) aufgerufen. Sie fordern eine Kirche, in der die Gleichstellung der Geschlechter, Partizipation und Dialog, radikale Demokratie und tiefe Schöpfungsverbundenheit verwirklicht würden, heisst es in einer am Sonntag in Frankfurt verabschiedeten Erklärung der "Konziliaren Versammlung".


Kardinal Martini forderte radikalen Weg der Veränderung

Foto Carlo_Maria_MartiniKardinal Carlo Maria Martini ist am 31.08.2012 im Alter von 85 Jahren gestorben. Im letzten Interview des Jesuiten und Bibelwissenschaftlers (der 2005 als Papstanwärter gehandelt wurde) fordert er die katholische Kirche auf, "einen radikalen Weg der Veränderung zu beschreiten", denn sie sei um 200 Jahre zurückgeblieben und müde. Die Kirche müsse sich aufraffen und ihre Angst überwinden. Der Kardinal sprach sich z.B. für besonderen Schutz für wiederverheiratet Geschiedene und für Patchwork-Familien aus. Statt zu fragen, ob solche Paare die Kommunion empfangen dürften, müsse sich die Kirche überlegen, wie sie in komplexen familiären Situationen mit der Kraft der Sakramente helfen könne. Weiterlesen bei domradio.de


Dialog zur Zukunft der Kirche auch auf Bundesebene

Deutsche BischofskonferenzMitte September 2012 lädt die Deutsche Bischofskonferenz zum zweiten Schritt des Gesprächsprozesses zur Zukunft der katholischen Kirche in Deutschland nach Hannover ein. Hier finden Sie Links auf die Dokumentation des bisherigen Dialogs sowie ein Interview zum Thema "Kirche muss sich bewegen", das auf katholisch.de, dem offiziellen Portal der kath. Kirche veröffentlicht wurde.


Papst hat kein "Rezept" für wiederverheiratet Geschiedene

Foto PapstPapst Benedikt XVI. hat den Ausschluss wiederverheirateter Geschiedener von den Sakramenten der katholischen Kirche als "ein großes Leiden der heutigen Zeit" bezeichnet. Die Kirche habe jedoch keine "Rezepte" zur Lösung dieses Problems, sagte er am Samstagabend beim Weltfamilientreffen in Mailand vor rund 350.000 Menschen. Auch wenn sie nicht an der Eucharistie und der Beichte teilnehmen dürften, könnten Wiederverheiratete Geschiedene dennoch geistlich mit Christus verbunden sein, so Benedikt XVI. (Quelle: kath. int. Presseagentur kipa 3.6.12) Der Theologieprofessor Joseph Ratzinger war 1972 noch der Meinung, dass unter bestimmten Bedingungen die Zulassung zur Kommunion gewährt werden sollte. Im Februar 2012 hatte die katholische Frauengemeinschaft kfd 100.000 Unterschriften ihrer Mitglieder für eine Zulassung von Geschieden-Wiederverheirateten zu den Sakramenten vorgelegt.


Dialogforum 'Dem Glauben Zukunft geben' ist lt. Weihbischof "abgeschlossen"

Kardinal Reinhard MarxAm 24.02.2012 hat Kardinal Marx endlich seine schriftliche Kommentierung zu den pastoralen Empfehlungen des Zukunftsforums vorgelegt. Der vollständige Text ist nun im Internet veröffentlicht. Einen von uns erstellten Auszug zu den "heißen Eisen" zusammen mit passenden Zitaten finden Sie hier. Bei den pastoralen Empfehlungen handelt es sich um 61 Ziele, die das Diözesanforum „Dem Glauben Zukunft geben“ formuliert hat. Die Kommentierung war ursprünglich für Pfingsten 2011 versprochen und mehrmals verschoben worden. Lt. Weihbischof Siebler ist das Forum damit abgeschlossen, weitere Aktivitäten seien nicht mehr zu erwarten.


Die Prioritäten auf dem vatikanischen Hügel

Foto Papst Benedigt XVI.Was glauben Sie, sind die Prioritäten des Papstes? Der Kampf gegen Armut und Hunger, die Prävention von Missbrauch, oder der Dialog mit Moslems und Juden? Ganz falsch: Vatikansprecher Federico Lombardi hat im Radio Vatikan verraten, was unter den Prioritäten des Papstes in diesem Jahr an erster Stelle stehe: "Der Dialog mit der Priesterbruderschaft Pius X. soll erfolgreich abgeschlossen und so ein schmerzender Bruch überwunden werden." Ende Mai wird eine Entscheidung des Papstes über die Wiederaufnahme der Traditionalisten erwartet. Die Pius- Bischöfe (darunter der inzwischen verurteilte Holocaustleugner Richard Williamson) streiten derweil darüber, ob sie überhaupt in die Kirche zurückkehren wollen. (13.05.2012)  Hans Küng hat den Papst in einer Presseerklärung vor diesem Schritt eindringlich gewarnt, siehe Rubrik Kontraste.


Ungehorsam auch unter deutschen Pfarrern

Foto Pfarrerinitiative183 Priester und Diakone der Erzdiözese Freiburg (das ist ca. jeder Vierte) rebellieren gegen das geltende Kirchenrecht und "lassen sich von der Barmherzigkeit leiten": In ihren Gemeinden gehen wiederverheiratet Geschiedene mit ihrem Einverständnis zur Kommunion und sind in Pfarrgemeinderäten und anderen Diensten tätig. "Uns ist bewusst, dass wir damit oft gegen derzeit geltende kirchenrechtliche Vorschriften der römischkatholischen Kirche handeln." Auch in der Diözese Passau gibt es eine Reformbewegung unter Pfarrern, die "Passauer Priester im Dialog" (sk 13.06.2012).


Kirchenreform: Bischof Kräutler will weltweite Bischofsbefragung

Foto Bischof KräutlerDie Frage veränderter Zulassungsbestimmungen zum katholischen Priesteramt, das sei keine regionale europäische Frage, sie stelle sich gleichermaßen in Südamerika, sagt der austro-brasilianische Bischof Erwin Kräutler. In der Diözese Xingu in Brasilien gebe es z.B. 30 Priester für 900 Gemeinden mit 600.000 Menschen auf einem Gebiet, das viereinhalb Mal so groß ist wie Österreich. Die Kirchenleitung müsse in dieser Frage ernsthafte Schritte unternehmen. Kräutler schlägt eine Umfrage unter allen Bischöfen weltweit vor, um den Puls der Weltkirche zu erspüren: "Wir glauben daran, dass der Geist Gottes mit uns allen ist, nicht mit einer Einzelperson." Aktuelles von Dom Erwin Kräutler gibts regelmäßig auf der Plattform Belo Monte, zur Biographie dieses beeindruckenden Menschen auch auf seiner Homepage domerwin.com. So kann katholische Kirche auch sein!



Aufbruch oder Abbruch? Zitate vom Katholikentag

Foto Katholikentag „Wir sind nicht der kranke Teil der Kirche, sondern der Vorposten, der sich am meisten mit der modernen Welt auseinandersetzen muss.“ Helmut Schüller, Pfarrerinitiative Österreich

„Dialog führt zum Streit, der aber macht alles kaputt und ist der Beginn einer Revolution.“ Apostolischer Nuntius in Deutschland, Claude Perisset

"Als evangelischer Christ träume ich davon, einmal an der katholischen Eucharistie teilnehmen zu können, ohne dass ich damit jemanden störe." Bundespräsident Joachim Gauck

"Die Kirchenreformer sind in der Mehrheit. Das wurde in Mannheim deutlich. Die Bischöfe trösten sie bis jetzt mit Aufbruchparolen und einem Dialogprozess über den Stillstand hinweg. Dieses Spielen auf Zeit ist gefährlich, denn die Ungeduld der Basis wächst." Stuttgarter Zeitung

"Eine Kirche, die für sich in Anspruch nimmt, sich in Lehre und Ordnung an den biblischen Texten zu orientieren, kann jedenfalls nicht auf Dauer Frauen von allen Ämtern der Kirche ausschließen." Ev. Landesbischof Ulrich Fischer

"Es ist die Frage, ob die sogenannten Reformgruppen wirklich solche sind. Es kann nicht sein, dass Leute, die von sich aus nichts zustande bringen, sich an die großen Veranstaltungen dranhängen und eine parasitäre Existenzform bringen." Bischof Müller, Regensburg

"Und wir sind sicher, dass dieses Evangelium mächtig genug ist, die verkrüppelte Außenseite auch der katholischen Kirche in absehbarer Zeit zu sprengen, damit sie näher an die Kirche Gottes heranrückt." Friedhelm Hengsbach SJ

(zitiert nach St.Michael Schweinfurt) Weitere kritische Stimmen zu Diskussionen innerhalb der kath. Kirche finden Sie hier


Keine Demokratie in der Kirche - nicht mal beim Gotteslob

GotteslobGotthard Fuchs von "Christ in der Gegenwart" kritisiert Verfahren und Maßstäbe für das neue Gotteslob: Eine Bischofskommission wird Vorschläge "in Rom einreichen". Darf z.B. das Lied „Ich steh vor dir mit leeren Händen, Herr" („Gotteslob", Nr. 621) von Huub Oosterhuis, im Gotteslob bleiben? Oosterhuis weiß um die unbegreifliche Verlässlichkeit Gottes, aber seine Gemeinde und sein Lebensstil gefallen Rom nicht mehr. "Das Gottesvolk hat keine Stimme: Kommissionen - oder sind es manchmal vielleicht sogar Hintermänner? - entscheiden. Die Kluft zwischen oben und unten wächst. Ein Klima der Angst bestimmt allzu oft die Szene. Auch 'höhere' Amtsträger verstecken sich im Kollektiv."


Presseerklärung von Prof. Hans Küng: "Papst provoziert Ungehorsam"

Foto Hans Küng"Auf dem alternativen wie auf dem offiziellen Katholikentag in Mannheim herrschten allgemein Unmut und Frustration über die Verschleppung innerkirchlicher Reformen. Im scharfen Kontrast dazu bereitet Papst Benedikt XVI. für Pfingsten offensichtlich die definitive Versöhnung der katholischen Amtskirche mit den traditionalistischen Piusbrüdern, deren Bischöfen und Priestern vor. Dies soll selbst dann geschehen, wenn die Piusbrüder, die entscheidende Konzilstexte weiterhin ablehnen, mit kirchenrechtlichen Kunstgriffen in die Kirche eingegliedert werden müssten. Davor müsste der Papst, nicht zuletzt von den Bischöfen, in aller Form gewarnt werden. Denn:
1. Der Papst würde auch ungültig geweihte Bischöfe und Priester definitiv in die Kirche aufnehmen. Gemäß der Apostolischen Konstitution Pauls VI. »Pontificalis Romani recognitio« vom 18. Juli 1968 sind die von Erzbischof Lefebvre vollzogenen Bischofs- und Priesterweihen nicht nur unerlaubt, sondern auch ungültig. Diesen Standpunkt vertritt neben anderen auch ein maßgebliches Mitglied der »Versöhnungskommission«, Karl Josef Becker SJ, jetzt Kardinal.
2. Mit einer solch skandalösen Entscheidung würde sich Papst Benedikt in seiner allseits beklagten Abgehobenheit noch mehr vom Gottesvolk entfernen. Ihm sollte die klassische Lehre vom Schisma eine Warnung sein. Ihr zufolge geschieht eine Spaltung der Kirche, wenn man sich vom Papst trennt, aber auch wenn man sich vom übrigen Leib der Kirche trennt. »So könnte auch der Papst zum Schismatiker werden, wenn er nicht mit dem ganzen Leib der Kirche die geschuldete Einheit und Verbundenheit halten will.« (Francisco Suarez, maßgebender spanischer Theologe des 16./17. Jh.).
3. Ein schismatischer Papst verliert gemäß derselben Kirchenrechtslehre sein Amt. Zumindest kann er nicht auf Gehorsam rechnen. Papst Benedikt würde also die schon überall wachsende Bewegung des »Ungehorsams« gegenüber einer Hierarchie, die dem Evangelium ungehorsam ist, fördern. Für das schwere Zerwürfnis und den Unfrieden, den er damit in die Kirche hineintrüge, hätte er allein die Verantwortung.
Statt sich mit den ultrakonservativen, antidemokratischen und antisemitischen Piusbrüdern zu versöhnen, sollte sich der Papst lieber um die reformbereite Mehrheit der Katholiken und um die Versöhnung mit den Kirchen der Reformation und der ganzen Ökumene kümmern. So würde er einen, nicht spalten."
22. Mai 2012 Prof. Dr. Hans Küng


Erzbistum Köln will kritischen Bischof fernhalten

Foto Bischof GaillotDer streitbare Sozial-Bischof Jacques Gaillot (Foto, „Eine Kirche, die nicht dient, dient zu nichts“ lautet der Titel eines seiner Bücher) möchte nach Köln reisen, wo er am 24. Mai 2012 auf Einladung der „Karl-Rahner-Akademie“ sprechen wird. Das passt dem Kölner Erzbischof Kardinal Meisner (78) nicht, wie die FR berichtet: Seit 2004 hat er Gaillot nicht nur verboten, in einer Kirche des Erzbistums aufzutreten, sondern ihm später sogar untersagt, das Territorium des Erzbistums Köln zu betreten! Doch Gaillot stellt klar, als „bischöflicher Rentner“ dürfe er sich „überall auf der Welt frei bewegen". "Ich glaube, was hier zu erleben ist, ist eine sterbende Welt“, so Gaillot weiter. „Wir müssen lernen, uns auch mit unterschiedlichen Meinungen zu akzeptieren.“


homosexueller Pfarrgemeinderat beschäftigt jetzt den Vatikan!

Stuetzenhofen in ÖsterreichIm österreichischen Ort Stützenhofen wurde im März der 26-jährige schwule Florian Stangl mit 80% der Stimmen wieder mit den meisten Stimmen in den Pfarrgemeinderat gewählt. Homosexuelle gehören ja zur Kirche, soweit also kein Problem. Aber: Eine homosexuelle Beziehung wird von der Kirche nicht akzeptiert, weil sie der göttlichen Ordnung widerspreche, und Stangl lebt mit seinem Partner in einer eingetragenen Lebensgemeinschaft. Pfarrer Gerhard Swierzek aus Polen lehnt deshalb das Wahlergebnis ab - in Sünde zu leben dürfe nicht die Norm sein.
Kardinal Christoph Schönborn sprach mit Stangl, stellte den Menschen vor das Gesetz, zeigte Menschlichkeit und bestätigte die Wahl. Aus Entrüstung darüber
will der Pfarrer nun auf diese Pfarrei verzichten. Der Bürgermeister Erwin Cermak wundert sich nicht: "Der Herr Pfarrer ist ein unglaublich schwieriger Typ." Mit Frauen und Jugendlichen habe er es sich generell verscherzt. "Und natürlich haben wir gewusst, dass er von seiner Vorgängerpfarre wegen einer Frauengeschichte gehen musste." Man glaubt es kaum: Jetzt beschäftigen sich die "Wachhunde des Glaubens", die mächtige Glaubenskongregation auf dem vatikanischen Hügel mit den Vorgängen in der kleinsten Pfarrgemeinde der Erzdiözese Wien: Der Erzbischof muss sich schrifltich dazu äußern, oder er wird vorgeladen... (sk)


Vatikan rüffelt US-Ordensschwestern

Foto der sz: US-NonnenWeil die US-amerikanischen Ordensschwestern öffentlich "entscheidende" Positionen der katholischen Kirche anzweifeln und sich nicht ausreichend gegen Homo-Ehe, Abtreibung und Frauen im Priesteramt stark machen, bekamen sie es jetzt mit der vatikanischen Glaubenskongregation zu tun, die die katholische Kirche vor abweichenden Glaubensvorstellungen schützen soll. Dass sich weibliche Geistliche öffentlich und kritisch positionieren, das scheint dem modernen Inquisitor Peter Sartain, Erzbischof von Seattle, ein Dorn im Auge zu sein. Die katholischen Ordensfrauen engagieren sich vor allem für soziale Gerechtigkeit. (Beitrag von Johanna Bruckner in der sz vom 20.04.2012)


Eine frühere Nonne wurde mit 71 Jahren zur Priesterin geweiht

Priesterinnen-WeiheMaria Thornton McClain, die 15 Jahre lang katholische Nonne war, bevor sie heiratete, wurde jetzt mit 71 Jahren zur Priesterin ordiniert. Maria Regina Nicolosi, eine Bischöfin in Minnesota leitete die Ordinationsfeier in der Friedens-Christkirche im Süden Indianapolis. McClain sagte, sie sei Katholikin, sei aber überzeugt, dass das Verbot weiblicher Priester angefochten werden müsse. "Ich entschied mich dafür, ungehorsam zu sein, das ungerechte Gesetz zu brechen und die Kirche zu verändern" sagte McClain, die jetzt zu mehr als 100 ordinierten Frauen in der weltweiten Bewegung der römisch-katholischen Priesterinnen gehört, welche alle exkommuniziert wurden. (vaticaninsider.lastampa.it, 18.04.2012 Übersetzung:sk)


Die Bibel und die Homosexualität

Homosexualität Dr. Laura Schlessinger ist eine US-Radio-Moderatorin, die Leuten, die in ihrer Show anrufen, Ratschläge erteilt. Kürzlich sagte sie, als achtsame Christin, dass Homosexualität unter keinen Umständen befürwortet werden kann, da diese nach Leviticus 18:22 ein Gräuel, eine Sünde wäre. Lesen Sie als Antwort darauf den offenen Brief eines US-Bürgers an Dr. Laura, der im Internet verbreitet wurde: Die Bibel und die Homosexualität.


07.11.2011: Österreichische Pfarrer leiten Reformen selbst ein

Logo Pfarrer-InitiativeZwei Drittel der Pfarrer in Österreich sehen einen „bedrohlichen Reformstau“ in der katholischen Kirche, mehr als 70 Prozent sehen den „Aufruf zum Ungehorsam“ der Pfarrer-Initiative als Impuls zu notwendigen Reformen, so eine Umfrage des ORF. Mit dem Aufruf kündigen Pfarrer an, durch unverzügliches Handeln nun selbst Reformen durchzuführen – und in diesem Sinn „Ungehorsam“ zu praktizieren: Sie verweigern geschiedenen Wiederverheirateten die Kommunion nicht, sie lassen Laien auch bei der Sonntagsmesse predigen und übertragen ihnen faktisch die Leitung von Gemeinden. „Jede Gelegenheit“ wollen die aufmüpfigen Pfarrer nützen, um sich – trotz vatikanischen Verbots – öffentlich für die Zulassung von Frauen und verheirateten Männern zum Priesteramt auszusprechen. Der ORF hat eine Sonderseite zur Diskussion um den Ungehorsam eingerichtet


Das Zentralkommittee der Katholiken (ZdK) fordert die Diakonenweihe für Frauen

Logo ZDK Die Erklärung des ZdK ruft typische Reaktionen hervor: Die Bischofskonferenz sieht darin eine erhebliche Belastung für den innerkirchlichen Dialog, da Diakoninnen "mit den weltkirchlich verbindlichen theologischen Überzeugungen und Festlegungen nicht vereinbar" seien, so das Kirchenradio. Wie bitte? 1976 hat die Würzburger Synode (darunter immerhin 58 Bischöfe) den Papst gebeten, "die Frage des Diakonats der Frau entsprechend den heutigen theologischen Erkenntnissen zu prüfen und angesichts der gegenwärtigen pastoralen Situation womöglich Frauen zur Diakonatsweihe zuzulassen" (Beschlüsse der Vollversammlung, 1976, S. 616f). Mit dem Neuen Testament kann die Ablehnung von Diakoninnen jedenfalls kaum begründet werden, wie der Neutestamentler Prof. Gerd Häfner sehr schön erklärt. Das ZdK ruft deshalb alle Katholiken auf, dem Netzwerk "Diakonat der Frau" beizutreten.



Wiederverheiratet Geschiedene: Der Vielfalt des Lebens gerecht werden

Blog von Prof. HäfnerDr. theol. Gerd Häfner, Professor für Biblische Einleitung an der Ludwig-Maximilians-Universität München, über neutestamentliche Perspektiven zur aktuellen Debatte um Ehescheidung und den Umgang mit wiederverheirateten Geschiedenen: "Vom Neuen Testament her spricht nichts gegen ein Vorgehen, das in der Pastoral an wiederverheirateten Geschiedenen nicht am Buchstaben der rechtlichen Formulierung festhält, sondern nach Möglichkeiten sucht, der ganzen Vielfalt des Lebens gerecht zu werden." Lesen Sie seine Begründung im interessanten Blog: Aufzeichnungen eines Neutestamentlers.



Bischof Zollitsch klagt über Reformstau in der katholischen Kirche

Bischof Robert ZollitschDer Vorsitzende der katholischen Bischofskonferenz rechnet mit einer baldigen Reform des katholischen Eherechts, vor allem beim Umgang mit wiederverheirateten Geschiedenen. "Das ist eine Frage der Barmherzigkeit", sagte Zollitsch im Interview mit der ZEIT. Drei Wochen vor dem Besuch von Papst Benedikt XVI in Deutschland bekannte Zollitsch, dass er sich gelegentlich über das schleppende Tempo von Veränderungen in der Kirche ärgere.
Positiv äußerte sich der Freiburger Erzbischof zu den Grünen: "Auch bei den Grünen stelle ich immer wieder Übereinstimmungen mit christlichen Überzeugungen fest", sagte Zollitsch, "da hat sich sicher einiges verändert seit den Anfängen der Grünen." Sie seien "eine Partei, in der viele Christen sich beheimatet fühlen".


Papst Benedikt zu wiederverheirateten Geschiedenen (1972)

Prof. Joseph Ratzinger„Wo eine erste Ehe seit Langem und in einer für beide Seiten irreparablen Weise zerbrochen ist; wo umgekehrt eine hernach eingegangene zweite Ehe sich über einen längeren Zeitraum hin als sittliche Realität bewährt hat und mit dem Geist des Glaubens, besonders auch in der Erziehung der Kinder, erfüllt worden ist, da sollte (...) auf das Zeugnis des Pfarrers und von Gemeindegliedern hin die Zulassung (...) zur Kommunion gewährt werden.“
Joseph Ratzinger (der heutige Papst Benedikt) 1972, zitiert nach Katholiken streiten um Ehe und Scheidung
Anmerkung: Als Arbeitgeber akzeptiert die Kirche eine solche zweite Ehe allerdings überhaupt nicht: Ein katholisches Krankenhaus hat seinem Chefarzt aus diesem Grund gekündigt - was im Sept. 2011 vor Gericht verhandelt wird


Reaktionen zum Kontraste-Artikel "Memorandum"

MemorandumIm Osterpfarrbrief veröffentlichten wir einen Kontraste-Artikel zum Memorandum der Theologie-Professoren, sowie eine Antwort von Pfr. Markus Zurl. Inzwischen sind mehrere Reaktionen aus der Pfarrgemeinde eingegangen, die wir hier dokumentieren. Falls SIe sich ebenfalls dazu äußern wollen: Schreiben Sie an redaktion@st-martin-zorneding.de


Benediktinerchef fordert mehr Mut bei Kirchenreform

MemorandumDer Leiter des weltweit tätigen Benediktiner-Ordens, Notker Wolf meint, die deutschen Bischöfe sollten mehr Mut haben, dem Papst ihre Vorstellung von Kirche zu unterbreiten: Sie "müssen hören, was die Anliegen des Volkes sind. Sie müssen ein Bild aufnehmen von der Kirche und das durchaus dem Heiligen Vater unterbreiten. Ich weiß nicht, ob sie den nötigen Mut haben", sagte Wolf. "Man macht sich damit bei vatikanischen Behörden nicht immer sehr beliebt. Wichtig ist, auf den Menschen zu horchen, Zeit zu haben für den Menschen und mitzufühlen mit Menschen, die in Not sind." Der aus Bayern stammende Ordenspriester Wolf steht seit dem Jahr 2000 an der Spitze des Ordens mit seinen knapp 25.000 Mönchen und Nonnen. (dpa) Quelle: Zeitzeichen


Buchtipp: "Kirche 2011: Ein notwendiger Aufbruch"

Kirche 2011Das Memorandum von Theologieprofessoren und -professorinnen "Kirche 2011: Ein notwendiger Aufbruch" prägte die Diskussionen innerhalb der katholischen Kirche (und in unserem Osterpfarrbrief). Die Beiträge in diesem Buch liefern die Argumente zu den zentralen Themen des Memorandums, nehmen die im Memorandum genannten Handlungsfelder auf und erörtern die darin genannten dogmatischen, kirchenrechtlichen, moraltheologischen, pastoral- und liturgietheologischen Herausforderungen. Erschienen am 28.Juni 2011 im Verlag Herder. ISBN: 978-3-451-30527-6, Preis 16,95 €


Hände weg! Sexuelle Gewalt in der Kirche

Hände Weg!Michael Albus, vielen bekannt als langjähriger ZDF-Kirchenredaktionsleiter, hat ein bemerkenswertes Buch zum Missbrauchs-Skandal geschrieben. Auf 256 Seiten wird aufgedeckt, wie dieser Skandal möglich wurde. Die sachlichen Texte renommierter Mitautoren beschäftigen sich mit dem Missbrauch der Macht, Arroganz, Doppelmoral, Vertuschung, der Rolle von Homosexualität in der Kirche sowie der katholischen Sexuallehre. In der erschreckenden Analyse wird ein erheblicher Systemfehler in der katholische Kirche aufgedeckt. Das Buch macht betroffen, öffnet aber auch den Horizont für den dringend notwendigen Korrekturkurs der römisch-katholischen Kirche. Die Frage an die Kirchenführung bleibt offen: Wird Umkehr auch wirklich gewollt? ("Hände weg! Sexuelle Gewalt in der Kirche" ISBN-10: 3766614827, 18,90 €)


Reform-Pfarrer bekennt: Ich liebe diese Kirche!

Pfarrer-Initiative"Ich liebe die unverwässerte Frohbotschaft Christi und den befreienden Glauben. Ich bin dankbar, dass nichts über die rigorose Zentralisierung der Weltkirche im Neuen Testament zu finden ist. (...) Ich freue mich, dass ein Geschöpf Gottes, in diesem Fall Petrus, der Fels der Kirche Christi wurde, obwohl er verheiratet war. Ich bin dankbar, dass Jesus die Wahl von Apostolinnen keinesfalls ausdrücklich verboten hat, wie sein vorpreschender, in die rasche Seeligkeit beförderter Stellvertreter dies getan hat. Und, dass Jesus Christus eine angemessene Meinung über die Machenschaften der unbarmherzigen Schriftgelehrten und machtvollen Hohepriester kundgetan hat." Pfarrer Viktor Kurmanowytsch von Die Pfarrer-Initiative (Rubrik Gedanken) aus Österreich, der inzwischen über 300 Pfarrer und Diakone angehören.


Radio Vatikan am 02.05.2011: Bischof Morris suspendiert

Bischof MorrisDer australische Bischof William M. Morris hatte sich 2006 in einem Hirtenbrief für ein erneutes Überlegen der Frauenordination und der Aufhebung des Pflichtzölibats ausgesprochen, so Radio Vatikan. Er hatte prognostiziert, dass im Jahr 2014 in seinem Bistum nur noch 19 Priester ihren Dienst tun würden. Papst Benedikt stellte anlässlich seiner Entlassung fest, Papst Johannes Paul II. habe im Jahr 1994 „unfehlbar und unwiderruflich entschieden, dass die Kirche nicht das Recht habe, Frauen als Priesterinnen zu ordinieren.“ Morris' Entlassung ging eine Apostolische Visitation voraus. Was diese Entscheidung wohl für den von den deutschen Beschöfen begonnenen Dialogprozess bedeutet? Morris' Priester protestieren jedenfalls gegen die Entlassung: "Die überragende Mehrheit der Katholiken der Diözese empfand die pastorale Leitung von Bischof Morris als konstruktiv, fundiert und belebend." Weiterlesen...


Bischof Bode beklagt Denunziantentum (28.06.2011)

Bischof BodeFranz-Josef Bode, Bischof von Osnabrück, beklagt Denunziantentum in seinem Bistum: Gläubige würden sich im Vatikan beschweren, wenn ihnen die Entwicklung in der eigenen Umgebung nicht gefalle. Die Beschwerde landet dann bei Msgr. Charles Scicluna, eine Art Staatsanwalt der Kongregation für die Glaubenslehre, der die Aufgabe hat, Vergehen gegen die Eucharistie, Vergehen gegen die Heiligkeit des Bußsakraments und Verstöße gegen die Keuschheit zu untersuchen. Erst vor wenigen Tagen hatte dieser gesagt: "Jeder Gläubige hat das Recht, seine Sorge um die Diözese direkt dem Heiligen Stuhl mitzuteilen, und zwar durch den Nuntius, der für die örtliche Gemeinde die Nähe des Heiligen Vaters repräsentiert." Zum Bericht auf www.kath.net Wir können die Sorge von Bischof Bode (Foto) verstehen, denn „Der größte Lump im ganzen Land, das ist und bleibt der Denunziant.“ (Hoffmann von Fallersleben).


„Heiligsprechung von unten: Oscar Romero“

Oscar RomeroMartin wurde nie heilig gesprochen und doch feiern nicht nur die Kinder gut 1600 Jahre nach dem Tod des Mantelteilers seinen Tag und erinnern sich an sein praktisches und hilfreiches Tun. Die Heiligsprechungen aus dem Volk sind mir sympathischer als die gekünstelten kirchlichen Prozesse, Menschen posthum auf einen heiligen Sockel zu stellen.
Manche Menschen, die das Evangelium beispielhaft lebten, haben in der Kirche dagegen keine Chance, heilig gesprochen zu werden. Der Märtyrerbischof Oscar Romero, der sich zum unerschrockenen Anwalt der Kleinen, Geschundenen und Verfolgten in El Salvador gemacht hatte, gehört dazu. Er hatte die vatikanische Kurie gegen sich, weil sie mit den Militärs und Machthabern sympathisierte.
Eine kleine Episode zum besseren Verständnis: Ein Jahr vor seiner Ermordung fand Bischof Romero bei Papst Johannes Paul II. weder Gehör noch Unterstützung in seinen Bedrängnissen. Mit tiefer Enttäuschung sagte er: „Ich glaube, ich werde nicht noch einmal nach Rom kommen. Der Papst versteht mich nicht.“ Johannes Paul II. hatte das Foto eines kurz zuvor umgebrachten Indianer-Priesters sowie andere Dokumente zur Christenverfolgung durch die Handlanger der Reichen nicht zur Kenntnis genommen und stattdessen zur Harmonie mit der salvadorianischen Regierung ermahnt.
Dieser Papst wurde am 1. Mai selig gesprochen. Für die Menschen Lateinamerikas, die noch immer unter Ausbeutung und Unterdrückung zu leiden haben, ist Oscar Romero, den am 25. März 1980 am Altar die Mörderkugel traf, längst ein Heiliger. Als leuchtendes Zeichen, wie schön und mutig Menschen werden können, wenn sie auf das Evangelium Jesu hören und es leben.
Quelle: Ortsgespräch am Mittwoch, den 04.Mai 2011 (Pfr. Roland Breitenbach, St. Michael Schweinfurt)


„Warum habt ihr solche Angst? Ist euer Glaube so klein?“

MemorandumMittlerweile über 260 Theologie-Professoren haben das Memorandum "Kirche 2011: Ein notwendiger Aufbruch" vom 04.Februar unterschrieben. Lesen Sie hier die gesamte Erklärung. Ein Auszug: "Im vergangenen Jahr sind so viele Christen wie nie zuvor aus der katholischen Kirche ausgezogen; sie haben der Kirchenleitung ihre Gefolgschaft gekündigt oder haben ihr Glaubensleben privatisiert, um es vor der Institution zu schützen. Die Kirche muss diese Zeichen verstehen und selbst aus verknöcherten Strukturen ausziehen, um neue Lebenskraft und Glaubwürdigkeit zurück zu gewinnen." Der BDKJ, die Studierenden des Cusanuswerks, das Zentralkomitee der deutschen Katholiken und die Katholische Frauengemeinschaft Deutschlands (KFD) begrüßen die Erklärung. Möchten Sie die Forderungen unterstützen? Dann können Sie sich online unter http://kirche2011.de/ oder www.kirchenaufbruch-jetzt.de eintragen. Nach fünf Wochen (10.03.2011) bereits über 57.000 Unterstützer! Im Bistum Freiburg unterstützen 293 Priester und Diakone das Memorandum.


Professor Joseph Ratzinger auf dem Katholikentag 1966:

Prof. Joseph Ratzinger„Der christliche Glaube ist für den Menschen aller Zeiten ein Skandal: dass der ewige Gott sich um uns Menschen annimmt und uns kennt, dass der Unfassbare in dem Menschen Jesus fassbar geworden , dass der Unsterbliche am Kreuz gelitten hat, dass uns Sterblichen Auferstehung und ewiges Leben verheißen ist: Das zu glauben ist für den Menschen eine aufregende Zumutung…. Aber wir müssen hinzufügen: dieser primäre Skandal, der unaufhebbar ist, wenn man nicht das Christentum aufheben will, ist in der Geschichte oft genug überdeckt worden von den sekundären Skandalen der Verkünder des Glaubens, der durchaus nicht wesentlich ist für das Christentum, aber sich allzu gerne mit dem Grundskandal verwechseln lässt und sich in der Pose des Martyriums gefällt, wo man in Wahrheit nur das Opfer der eigenen Engstirnigkeit ist…. Sekundärer, selbstgemachter und so schuldhafter Skandal ist es, wenn unter dem Vorwand, die Unabänderlichkeit des Glaubens zu schützen, nur die eigene Gestrigkeit verteidigt wird: Nicht der Glaube selbst, der längst vor jenem gestern und seinen Formen war, sondern eben die Form, die er sich einmal aus dem berechtigten Versuch heraus verschafft hat, in seiner Zeit zeitgemäß zu sein, aber nun gestrig geworden ist und keinerlei Ewigkeitsanspruch erheben darf. Sekundärer, selbstgemachter und so schuldhafter Skandal ist es auch, wenn unter dem Vorwand, die Ganzheit der Wahrheit zu sichern, Schulmeinungen verewigt werden, die sich einer Zeit als selbstverständlich aufgedrängt haben, aber längst der Revision und der neuen Rückfrage auf die eigentlich Forderung des Ursprünglichen bedürften. Wer die Geschichte der Kirche durchgeht, wird viele solche sekundärer Skandale finden – nicht jedes tapfer festgehaltene Non possumus (lat.: "wir können nicht", Anm.d.Red.) war ein Leiden für die unabänderlichen Grenzen der Wahrheit, so manches davon war nur die Verranntheit in den Eigenwillen, der sich gerade dem Anruf Gottes widersetzte, der aus den Händen schlug, was man ohne seinen Willen in die Hand genommen hatte.“
Wortlaut der ganzen Rede in: Herderkorrespondenz 20 (1966), hier S. 351


Was unser Papst vor 40 Jahren dachte...

Prof. Joseph Ratzinger"Eine Überprüfung des Zölibats kann stattfinden. Es ist theologisch einfach nicht richtig, daß man in neuen geschichtlichen und gesellschaftlichen Situationen etwas nicht überprüfen und in diesem Sinne 'diskutieren' könne, was einerseits ein menschliches Gesetz (Gebot der Ehelosigkeit) in der Kirche ist und was als eine anerkannte Wirklichkeit in einem anderen Bereich der Kirche als reale Übung besteht (vgl. die Ostkirchen). Das Gegenteil zu behaupten, wird durch kein ernsthaftes theologisches Argument gestützt.(...) Wenn ohne Modifizierung der Zölibatsgesetzgebung ein genügend großer Priesternachwuchs nicht zu gewinnen ist (...), dann hat die Kirche einfach die Pflicht, eine gewisse Modifizierung vorzunehmen. (...) Wo es sich um eine Sache handelt, die kein Dogma im strengen Sinne ist, hat auch ein kirchlicher Gesetzgeber die Pflicht, die Auswirkungen seiner Gesetzgebung (einschließlich des Festhaltens an einer solchen) gebührend mitzuberücksichtigen.
9. Februar 1970, gez. Joseph Ratzinger, Regensburg" (und 6 andere Theologie-Professoren)

Das komplette Memorandum wurde in Pipeline 2/2010 veröffentlicht:  "den Unterfertigten zur Erinnerung"


WirSindKirche: "Weg des Dialogs" soll sichtbar werden

Logo Wir sind KircheDie KirchenVolksBewegung ermutigt die deutschen Bischöfe in einem Brief zum "Weg des Dialogs", wie er von Erzbischof Dr. Robert Zollitsch Ende 2010 angekündigt wurde.
Nach dem Verständnis von „Dialog“ und „Communio“ des Zweiten Vatikanischen Konzils dürften keine Denkverbote bestehen und auch die brennenden pastoralen Themen wie Eucharistie und Amt, Gemeindeleitung durch „Laien“, Rolle der Frauen, Sexuallehre und Sakramentenempfang für wiederverheiratete Geschiedene sowie konfessionsverbindende Familien müssten thematisiert und in Rom vorgebracht werden, um endlich sichtbare und glaubwürdige Zeichen zu setzen. Den Brief an die Bischöfe lesen Sie hier.


Kardinal Marx sieht im Jahr 2010 einen Wendepunkt

Kardinal MarxIn einem Schreiben an die Gläubigen schreibt Kardinal Reinhard Marx: "Vielleicht können wir sogar nach einigen Jahren sagen, dass dieses für uns alle so schwere Jahr 2010 auch ein Jahr der Reinigung, der Klärung, der geistlichen Vertiefung gewesen ist und insofern auch ein 'Wendepunkt' für die Kirche in unserem Land". Hier lesen Sie den Brief des Kardinals. Ein unabhängiges Gutachten zu Übergriffen durch pastorale Mitarbeiter im Bistum in der Zeit von 1945 bis 2009 hatte zuvor einen beschönigenden und verharmlosenden Sprachgebrauch sowie „Desinteresse gegenüber dem Opferschicksal“ aufgedeckt. Durch die Verwendung von Tätern an anderer Stelle unter Verschweigen der Hintergründe seien weitere Opfer sehenden Auges in Kauf genommen worden. Den jeweiligen Tätern sei dagegen „inadäquate Fürsorge“ mit absichtlichem Vertuschen zuteil geworden, um öffentliche Wahrnehmung und Skandale zu vermeiden. Das von Kardinal Marx vorgestellte Gutachten kann also zur Klärung und Reinigung beitragen: http://www.erzbistum-muenchen.de/media/media14418720.PDF