Pfarrgemeinde St. Martin Zorneding

Sie sind hier:  Startseite > Veranstaltungen > 10 Jahre Pfr. Brem

10 Jahre Pfr. Brem

"Verwandelt Waffen in Werkzeuge des Friedens"

(Predigt von Pfr. ALois Brem am 04.09.2011 zu seinem 10-jährigen Zorneding-Jubiläum)

Vor genau 10 Jahren – also in dem Monat, in dem ich meinen Dienst als Ruhestandspfarrer in Zorneding begann – traf das Datum 11. September 2001, das seitdem als ein Datum des Schreckens nie mehr aus dem Gedächtnis von uns jetzt Lebenden verschwinden wird.

Es gibt Daten und Ereignisse, hinter die kommt die Menschheit nie mehr zurück. So wie der 2. Weltkrieg oder das KZ Auschwitz, so auch dieser Terroranschlag jenes unvergessenen 11. September. Wir müssen als Christen deshalb gemeinsam nachdenken, ob wir wirklich von einem Schrecken in den anderen fallen sollen und dürfen.

Damals, vor 10 Jahren – ich erinnere mich noch genau an diese Stunde, bei uns war es 3 Uhr nachmittags -, als die Schreckensmeldung über den Äther kam: Die Menschen hielten auf der Straße und in den Lokalen den Atem an und verspürten buchstäblich am eigenen Leib das Geheimnis des Bösen.

Das Böse existiert also. Wir haben es gesehen und gespürt. Immer und immer wieder – bis heute – werden die Schreckensbilder wiederholt. Darüber ist uns das Lachen vergangen. Aber auch die Hoffnung daraus hat uns getäuscht, dass nach diesem Ereignis die Menschheit einen anderen besseren Weg, heraus aus der Spirale der Gewalt und dem Kreislauf des Hasses finden könnte. Das Gegenteil war der Fall.

Das Lebensopfer der 3000 Unschuldigen in New York wurde mit dem Blut von Hunderttausenden Unschuldiger im Irak, in Afghanistan und bei einem späteren Anschlag in Madrid bezahlt.

Der Terror ist mit Gegenterror nie und nimmer zu überwinden. Das Problem der Ungerechtigkeit wird auch durch Bombardierungen – wie jetzt in Libyen – nicht gelöst. Wir müssen uns als Christen – auch in unseren Gottesdiensten – fragen, ob wir nicht selber ein Teil dieses Problems sind. In Zeitungsartikeln zuhauf wurde uns dies in der vergangenen Woche deutlich vor Augen geführt.

Dieses Problem kannten schon die ersten Christengemeinden, die sich eine Gemeinderegel geben mussten, um ihre Konflikte untereinander zu lösen. Aber schon diese frühe Gemeinderegel war – wie auch heute vieles – den gesellschaftlichen Verhältnissen angepasst. 

Jesus wäre das zu billig gewesen. Er hat eine andere Ethik gelehrt, nämlich das Prinzip der Feindesliebe. – Ich weiß, es werden bei einer solchen Aussage viele den Kopf schütteln: unmöglich. Aber ich sage es trotzdem, weil nur Friede und Liebe Zukunft für die Welt schaffen können. – Wer sich von Gott geliebt weiß, der muss nicht zurück-schlagen; er kann – mit Verlaub gesagt – auch einmal der Dumme sein, in den Augen der Mitbrüder und Nachbarn oder der ganzen Welt. Zeigt der denn Stärke, der bei jeder Gelegenheit zuschlagen muss? Zeigt der denn Mut, der ständig nur auf die Herausforderung der anderen reagiert, statt selber zu handeln?

Und was soll das „Auge und Auge und Zahn um Zahn“? Am Ende stehen sich – nach diesem missverständlichen Wort aus dem AT – nur mehr Blinde gegenüber. Wie aber sollen Blinde und Geblendete denn dann eine Lösung finden, einen neuen Weg gehen können?

Gegen all diese Blindheit, gegen allen Hass und alle Feindschaft steht die uralte Vision von den Schwertern, die zu Pflugscharen umgeschmiedet werden. Der kleine Prophet Micha beschreibt mit einem einzigen Satz die friedenbringende Partnerschaft des Menschen mit Gott: „Gerechtigkeit üben, Zuwendung und Treue lieben, in Achtsamkeit den Weg gehen mit deinem Gott.“

Die Pflugscharen des Propheten haben auch heute eine ganz aktuelle Bedeutung: Gegen die Milliarden Dollar, die ein Krieg kostet, sind die Millionen, die dann für den Wiederaufbau zur Verfügung stehen, eine lächerliche Summe und eine Beleidigung für die betroffenen Menschen. Nichts als weiterer Hass und Vergeltung sind die Folgen.

Der armselige Prophet Micha aus dem alten Israel hat intuitiv den richtigen Weg erkannt: Verwandelt Waffen in Werkzeuge des Friedens. Was aber, wenn nicht einmal seine eigenen Landsleute heute dieser Einsicht Folge leisten?

Trotz allem: Wir als Gemeinde Christi müssen uns den Pflugscharen verpflichten. Den Kirchen und Religionen ist es aufgetragen, die Gewalt aus den Herzen und Köpfen der Menschen zu beseitigen, zuerst aus unseren eigenen Köpfen. Denn in unseren Köpfen muss der Friede beginnen. Aber wir merken wohl täglich selber: Vom Kopf bis zum Herzen ist ein weiter Weg. 

Die Armen der Welt hungern nicht, weil wir zu viel essen, sondern weil wir zu wenig denken, weil uns die übrig gebliebene Nahrung gleichgültig ist und wir uns nichts dabei denken, wenn wir sie wegschmeißen, vor allem aber, weil wir unserem eigenen Glauben nicht trauen. – Die derzeitige Wiederkehr des Religiösen offenbart deutlich die Schwäche des Christentums, schreibt Matthias Drobinski in der SZ am Dienstag der vergangenen Woche. 

Der Philosoph Ernst Bloch hat einmal gesagt: „Visionen brauchen Fahrpläne.“ – Der Fahrplan muss heißen: Gegen Verbrecher führt man keine Kriege, da man damit fast nur Unschuldige trifft. Man braucht eine starke Polizei und man braucht ein ordentliches Gericht. Auch das ist mit „Pflugscharen“ gemeint: Recht durch Gerechtigkeit und nicht durch Gewalt. Hier liegen die Schwächen unserer Weltgemeinschaft. Einen Kreuzzug gegen das Böse darf es nicht geben. Und das Böse ist auch nicht nur im anderen. Vielleicht ist der andere so geworden, weil wir ihn dazu gemacht haben: So die Taliban oder Saddam Hussein, beide waren Erfindungen der Amerikaner gegen damalige Feinde: gegen die Sowjets in Afghanistan und die Machthaber im Iran. Heute schlagen die Taliban wild zurück.

Wir brauchen also dringend Fahrpläne für die Visionen von einer besseren Welt. Leider werden solche Fahrpläne bei den Vereinten Nationen durch Vetos bestimmter Mächte blockiert, in Gegenseitigkeit. Solche Fahrpläne müssen alle wollen, lange bevor der Krieg eine Stimme, eine Faust und danach seine Waffen bekommt.

Mit einem Vorschuss an Versöhnung muss der Friede immer die erste Chance bekommen. 

 

Fotos vom Gottesdienst und der anschließenden Feier mit freundlicher Genehmigung von Klaus-Peter Bichlmayer (Aubing):

Willkommen!

Hier erfahren Sie jede Woche Neues aus unserer Pfarrgemeinde. Wir schauen aber auch über unseren Tellerrand und bringen (zur Unterscheidung in dieser kleinerer Schrift) Nachrichten, die aus der Sicht der Internetredaktion lesenswert sind. Wir freuen uns über Ihre (auch kritischen) Anregungen oder Rückmeldungen: redaktion@st-martin-zorneding.de.


mit einem Klick zu:

Seelsorgeteam/Pfarrbüro


Pfarrjugend


Trauerfall - was tun?


Kindergärten


Erwachsenenbildung 


Schola St.Martin


Zitat der Woche

“Wir sind Kirche” nahm als internationale Bewegung, die auf der ganzen Welt vertreten ist, an dem Dritten Welttreffen der Sozialen Bewegungen in Rom teil. Bei einer Audienz hielt der Papst  eine eindringliche Ansprache:

Er warnte vor der Herrschaft des Geldes, das mit einer „Geißel der Angst, Ungleichheit und wirtschaftlicher, sozialer, kultureller und militärischer Gewalt“ herrsche und die „immer mehr Gewalt in einer Abwärts- spirale hervorbringt, die nie zu enden scheint“. Der Papst ermunterte die Organisationen, dass sie aufgerufen seien, Demokratie, die sich in einer ernsten Krise befindet „wieder zu beleben und wieder neu zu errichten“.

 

mehr davon? Hier gehts zum Archiv


Aktueller Pfarrbrief:

Titelbild des Pfarrbriefs


PGR-Protokolle 


evang.Partnergemeinde


unabh. Nachrichtenportal kath.de


Radio Horeb

Diese beiden Links haben sich beklagt, dass sie so eng nebeneinander stehen. Deshalb ist jetzt ein wenig Text dazwischen :)

Volksbewegung 'Wir sind Kirche'


Gemeindeinitiative


Initiative Münchner Kreis


Glaubens-Update (KBW)


Theo.Logik (BR2)


Münchner Kirchenradio


Katholische Kirche


IMPRESSUM


Gefällt Ihnen diese Seite? Dann empfehlen Sie uns weiter in Ihren sozialen Netzwerken wie Facebook, Twitter! Oder "liken" Sie unsere Facebook-Seite und erfahren Sie Neues aus der Pfarrgemeinde.

 

Powered by CMSimple| Template: ge-webdesign.de| html| css| Login