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Wandel in der Kirche

... und sie wird sich bewegen müssen

Wer die Nachrichten z.B. auf dem unabhängigen Portal www.kath.de verfolgt, liest Erstaunliches: Der Vorsitzende der deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch, erkennt "bohrende Zweifel" an katholischen Positionen beim Zölibat, bei der Sexualmoral oder in der Ökumene. Die Kirche befindet sich nach Ansicht von Zollitsch am Beginn eines Veränderungsprozesses (www.erzbistum-freiburg.de im Oktober 2010). Aber reicht diese Sehnsucht nach Reformen aus, wenn der Vatikan jede Reform verhindert?

Der Druck ist jedenfalls groß, denn der Kirche gehen die Priester aus: Vor einigen Jahren kamen noch ca. 5000 Gläubige auf einen Pfarrer, heute sind es rund 15 000 Katholiken, und in zehn Jahren werden noch 30% weniger Priester zur Verfügung stehen. Und schlimmer: Im Bistum Würzburg wurden in letzter Zeit mehr Priester wegen Verstoßes gegen die Zölibatspflicht suspendiert, als neue geweiht werden konnten (Quelle: pfarrerinitiative.de). Alois Glück als höchster Vertreter der Laienkatholiken forderte eine Ende des Pflichtzölibats: "Wir müssen den Weg öffnen für ein Priesteramt ohne Zölibat. Die Diskussion ist voll im Gange, die Äußerung von Erzbischof Schick ist dafür ein Beispiel“, sagte er mit Verweis auf entsprechende Aussagen des Bamberger Erzbischofs (Focus online, 12.05.2010). Unter dem Druck des Priestermangels befürworten in Europa inzwischen viele Bischöfe die Priesterweihe verheirateter Männer.

Wer freiwillig zölibatär lebt, genießt unser aller Respekt und Achtung. Beim Zölibat ging es aber neben dem Ideal der kultischen Reinheit und der "Ganzhingabe an den Dienst für Gott" schon seit dem Mittelalter auch darum, die Kirchengüter zu bewahren, indem eine Vererbung des kirchlichen Besitzes an Kinder ausgeschlossen werden konnte. Aber der Apostel Paulus sagt: "Was die Frage der Ehelosigkeit angeht, so habe ich kein Gebot vom Herrn. Ich gebe euch nur einen Rat." Petrus, gewissermaßen der „erste Papst“ war mit Sicherheit verheiratet.

Prof. Hans Küng (ein ehemaliger Weggefährte des Papstes) sieht als einzige Lösung die sofortige Abschaffung des Zwangszölibats und die Zulassung von Frauen zu Ämtern in der katholischen Kirche. Küng bezieht sich auf die Bibel, in der Paulus festlegt, ein Bischof solle nur einer Frau Mann sein. "Das ist eine Forderung zur Monogamie, nicht zum Zölibat, und wir hatten über 1000 Jahre kein Zölibatsgesetz" (Augsburger Allgemeine 21.10.2010). Der Bischof Iby aus dem Burgenland (Österreich) fände es richtig, die Priesterweihe verheirateter Männer zuzulassen: "Wenn ich sehe, wie viele verheiratete Diakone ich habe! Das sind bewährte Männer. Wenn man die zu Priestern weihen könnte, würden wir uns angesichts des Priestermangels viel leichter in der Seelsorge tun". Iby setzt sich dafür ein, mittelfristig auch die Priesterweihe von Frauen in Betracht zu ziehen (DiePresse.com, 11.05.2010 und 12.05.2010).

Unser Pfarrer im Ruhestand Alois Brem beurteilt die Lage der Kirche so: "Uns fehlt der Mut und auch jene Kühnheit, die auf die Radikalität Jesu sich zurückzugreifen traut. Jesus war zu seiner Zeit ein Kritiker des erstarrten religiösen Systems" (in: Die Dynamik des Vorläufigen, S. 38).

Aber darf sich denn ein Katholik gegen die kirchliche Autorität wenden? Ja - wenn er seinem eigenen Gewissen gehorcht: Der Konzilstheologe Joseph Ratzinger (heute Papst Benedikt) schrieb im Kommentar zum 2. Vatikanischen Konzil: "Über dem Papst steht noch das eigene Gewissen, dem zuallererst zu gehorchen ist, notfalls auch gegen die Forderung der kirchlichen Autorität" (Stimmen der Zeit, Sept. 2010). Auch als Kardinal betonte Ratzinger, dass "das Wir der Kirche nicht auf dem Auslöschen des Gewissens beruht, sondern genau umgekehrt sich nur vom Gewissen her entwickeln kann". Sogar das katholische Kirchenrecht räumt den Gläubigen das Recht auf Widerspruch ein: Nach CIC 212 §3 haben auch Laien „das Recht und bisweilen sogar die Pflicht“, ihre Meinung auch den Bischöfen mitzuteilen.

Soll aus der kirchlichen Lehre nicht eine kirchliche Leere werden, werden wir Kirchenmitglieder wohl für Wandel sorgen müssen, nach dem alten Grundsatz "Ecclesia est semper reformanda“ - wir sind und bleiben eine ständig sich zu erneuernde, zu reformierende Kirche!

Wilhelm Genal und Stephan Kruip
 

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