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PID-Test

Kontraste im Sommerpfarrbrief 2011: Präimplantationsdiagnostik (PID)

Als Präimplantationsdiagnostik (PID) werden Untersuchungen bezeichnet, die dazu dienen, bei einem durch in-vitro- Fertilisation (IVF) erzeugten Embryo bestimmte Erbkrankheiten zu erkennen, bevor der Embryo in die Gebärmutter eingepflanzt wird. Meist wird als Beispiel einer genetischen Erkrankung die Mukoviszidose genannt, und da einer der Autoren dieses Artikels (S.Kruip) mit dieser Krankheit lebt, verfolgen wir die politische Diskussion seit Jahren. Bei der PID wird aufgrund einer solchen Diagnose entschieden, welcher Embryo in die Gebärmutter eingepflanzt werden soll, so dass Eltern, die bereits wissen, dass sie beide Merkmalsträger sind, durch diese Auswahl dennoch sicher sein können, dass ihr Kind z.B. keine Mukoviszidose haben wird. Dazu wird ca. am dritten Tag nach der Befruchtung eine Zelle des Embryos entnommen, der zu diesem Zeitpunkt aus wenigen Zellen besteht. Nach der Entnahme der Zelle wird deren DNA durch einen Gentest auf das Vorhandensein des Mukoviszidose-Gens untersucht. Anschließend werden nur Embryonen in die Gebärmutter eingesetzt, die diese Erkrankung nicht aufweisen.

In Deutschland wurde vor 20 Jahren ein hoher Schutz für Embryonen gesetzlich geregelt. Die PID galt seither als verboten, weil das Embryonenschutzgesetz es unter Strafe stellt, Embryonen ‚zu einem anderen Zweck‘ zu erzeugen als zur Herbeiführung einer Schwangerschaft. Aus Anlass einer Selbstanzeige eines Mediziners hat aber das höchste zuständige deutsche Gericht (Bundesgerichtshof) überraschend festgestellt, dass die PID nicht verboten ist (zu den juristisch verzwickten Einzelheiten: „Der Zweck heiligt die Mittel“ www.kruip.info) und forderte eine gesetzliche Regelung der PID, die z.Zt. im Bundestag beraten wird. Wenn wir ins Ausland blicken, so ist bei einem Risiko für eine schwere genetische Krankheit die PID in vielen Ländern erlaubt, z.B. (in Klammern das Jahr der gesetzlichen Regelung) in Belgien (1994), Dänemark (1999), Frankreich (1997), Großbritannien (1990) und USA (eingeführt 1990, seither ohne gesetzliche Regelung).

Das wichtigste Argument gegen die PID ist die Sorge, dass sich die genetische Selektion im Reagenzglas von wenigen Einzelfällen zum Normalfall in einer „schönen neues Welt“ entwickeln könnte, in der der Gen-Status eines Embryos über sein Lebensrecht entscheidet. Tatsächlich zeigt die Entwicklung im Ausland, dass eine enge Begrenzung schwierig zu realisieren ist: PID wird für immer mehr diagnostizierbare Krankheiten und sogar zur Geschlechterbestim6 7 Kontraste: Präimplantationsdiagnostik (PID) Kontraste: Präimplantationsdiagnostik (PID) mung (USA, Großbritannien) verwendet. Auch Hubert Hüppe, Behindertenbeauftragter der Bundesregierung, ist gegen die PID: „Dass Abtreibung unter Auflagen in Deutschland straffrei bleibt, darf kein Grund sein, um ein weiteres Übel zuzulassen.“ Wenn die PID immer mehr zum normalen Verhalten wird, könnten Eltern in Not geraten, die die PID verweigern, indem z.B. eine Krankenversicherung den Versicherungsschutz für ein ohne PID geborenes erbkrankes Kind ablehnt.

Diesen Ängsten kann man aber auch gute Argumente entgegensetzen: Die PID ist aufwändig und teuer, die Hormonbehandlungen für die betroffenen Frauen körperlich und seelisch höchst belastend. Reproduktionsmediziner berichten, dass sich ihre Patienten nur unter größtem Leidensdruck zu diesem Schritt entschließen. Denn die Erfolgsrate - also der Anteil der PID-Zyklen, die erfolgreich zur Geburt eines Kindes führen - ist niedrig (zwischen 6 und 20%) und im Schnitt hat am Ende der Behandlung nur ca. jedes fünfte Paar ein Kind bekommen. Experten halten mit Blick auf die Erfahrungen in anderen europäischen Ländern eine Begrenzung auf ca. 200 PIDs jährlich in Deutschland sehr wohl für möglich. Und Peter Hintze, CDU-Politiker und ev. Pfarrer, weist darauf hin, dass mit PID eine ‚Schwangerschaft auf Probe‘ vermieden werden kann: „Pränataldiagnostik im Mutterleib ist zu jedem Zeitpunkt und mit jedem Grund erlaubt. Wo ist der Dammbruch, wenn ich sage: Ich schaue schon in der Glasschale?“

Die Deutsche Bischofskonferenz der katholischen Kirche lehnt die PID kategorisch ab und spricht von „Instrumentalisierung und eventuell bewusster Tötung des Embryos“, die einer christlich inspirierten Ethik des Lebens grundsätzlich widerspreche. Denn eine begrenzte Zulassung der PID setze voraus, dass dem Embryo kein mit dem geborenen Menschen gleichwertiger Status zuerkannt und eine Stufenfolge des Menschwerdens angenommen wird. Auch der Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) spricht sich gegen eine Zulassung der PID aus, weil die mit der Methode einhergehende „Selektion zwischen lebenswertem und nicht lebenswertem Leben“ nicht mit dem christlichen Menschenbild vereinbar sei. Ein Teil des Rates hielt allerdings die Zulassung der PID für Fälle für verantwortbar, in denen mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit der Embryo schon während der Schwangerschaft lebensunfähig ist.

Befragt man die Deutschen zu ihrer Meinung zur PID, so ist ca. die Hälfte für die Einführung, sofern die Untersuchung auf schwere erbliche Krankheiten beschränkt wird, ca. 16% lehnen die Einführung kategorisch ab und weitere 15% sind für eine uneingeschränkte Zulassung.

Für welche Regelung sich die Volksvertreter im Deutschen Bundestag entschieden haben, war zum Datum der Drucklegung dieses Pfarrbriefs noch nicht bekannt. Die praktische Auswirkung ist dennoch vorhersehbar: Wird die PID erlaubt, werden nur wenige Paare die Möglichkeit in Anspruch nehmen. Und wird sie verboten, werden diese wenigen es dennoch tun – wie bisher im Ausland. Die monatelange Diskussion über PID erscheint mir ohnehin wie ein Ablenkmanöver: In Deutschland gab es 2010 ca. 670.000 Lebendgeborene und über 110.000 (!) Schwangerschaftsabbrüche, davon nur ca. 3.000 aus medizinischen Gründen, und davon nur ein kleiner Teil wegen genetischer Behinderung des Embryos. Es wird also ca. jede siebte Schwangerschaft abgetrieben - in einem wohlhabenden Land, in dem Verhütungsmethoden frei zugänglich sind.

Müsste die Gesellschaft incl. Politik und Kirchen nicht wesentlich mehr tun, um möglichst vielen Schwangeren zu helfen, sich für ihr Kind entscheiden zu können? Finanzielle Hilfen, spezielle Ausbildungsangebote, Kinderbetreuung und generell eine kinderfreundliche Gesellschaft - daran sollten wir arbeiten.

Stephan Kruip und Willy Genal

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